Glyphosat, Monsanto und die Staatsanwaltschaft

Glyphosat ist derzeit in aller Munde. Nicht nur bildlich gesprochen in Berichten um Rückstande im Urin oder in Muttermilch, auch buchstäblich, wenn der Deutsche sein Bier trinkt. Was das eigentlich genau ist, wieso gerade jetzt darüber vermehrt diskutiert wird und was die Staatsanwaltschaft damit zu tun hat, wollen wir hier kurz zusammenfassen.

Glyphosat

Glyphosat ist ein Pestizid, welches in den 1950er Jahren entdeckt und in den 1970er Jahren als Herbizid von Monsanto patentiert wurde. Auf dem Markt erschien es als Wirkstoff des berüchtigten Herbizids „Roundup“. Meist wird es eingesetzt, um die Äcker zur neuen Aussaat von Unkraut zu befreien, seit den 1990ern werden weltweit jedoch auch Glyphosatresistente (gentechnisch veränderte) Pflanzen genutzt, die den Einsatz während des gesamten Wachstumsprozesses der Pflanzen ermöglicht.

Auch in der EU ist Glyphosat als Herbizid zugelassen, die jetzige Zulassungsperiode von 15 Jahren läuft jedoch am 30. Juni 2016 aus und die Neuzulassung wurde beantragt. Im Zuge dieses Neuantrags ist es nun passiert, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Jahre 2014 keine Anhaltspunkte für eine krebserzeugende Wirkung von Glyphosat sah. Eine ergänzte Fassung dieses Berichtes wurde dann an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) weitergeleitet. Eine Einschätzung, der ein Expertengremium der WHO-Agentur für Krebsforschung (IARC) im März 2015 allerdings widersprach und Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ einstufte.

Klage gegen Monsanto, BfR und EFSA

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vom Umweltinstitut München und GLOBAL 2000 wurden nun Belege vorgestellt, dass Studienergebnisse, welche einer Neuzulassung im Wege stehen, systematisch aussortiert wurden. Es geht bei der Klage vom 20.04.16 also nicht darum, ob bzw. wie krebserregend der Stoff für den Menschen ist, sondern zunächst darum, dass den zuständigen Behörden vorgeworfen wird, nicht redlich in die Bewertung gegangen zu sein. Ins Feld führen die Vereine dazu eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie des Epidemiologen Prof. Dr. Eberhard Greiser von der Universität Bremen. Dieser argumentiert in seiner Studie, dass es „gesundheitspolitisch fahrlässig [sei], angesichts dieser wahrscheinlichen Gesundheitsrisiken nicht umgehend belastbare Daten über die reale Gefährdungssituation zu erheben.“

Was bedeutet das jetzt?

Es muss klar sein, dass es sich hier lediglich darum dreht, ob, bzw. wie krebserregend Glyphosat für den Menschen ist. Dieses wird dann als Grundlage für die eventuelle Neuzulassung des Mittels in der EU genutzt. Die Umweltschäden, welche Pestizide im Allgemeinen und Glyphosat im Speziellen anrichten, sind nicht Bestandteil dieser Diskussion. Monokulturen, hohe Bodenbelastung und mittlerweile immer mehr glyphosatresistentes Unkraut sind alles Folgen des umfangreichen Einsatzes in der konventionellen Landwirtschaft.

Im Ökolandbau ist der Einsatz von Glyphosat natürlich verboten. Man setzt auf Fruchtfolgen und auf das mechanische Entfernen von Unkraut – Bio ist schlichtweg besser! Gleichwohl sollte man auch hier nicht außer Acht lassen, dass auch Biobauern spritzen; auf der Positivliste befindliche Kupfersalze als Antipilzmittel sind beispielsweise stark umstritten. Das sollte uns allerdings nicht davon abhalten, beim Kauf von Lebensmitteln auf Bioprodukte zu achten, am besten noch aus einem Bioladen und nicht extra in Plastik eingeschweißt.