Den Helden das Wort: Anna Liedtke von Lena Schokolade

Die Gründerin des bio-fairen Modelabels erzählt von ihrer Motivation zur Mode und den Handlungsmöglichkeiten jedes Einzelnen. Frau Liedtke, eine Kollektion bedrucken Sie stets mit Nachrichten, die aufrütteln. Welche Botschaften sind momentan auf Ihrer Mode zu lesen?

Dauerbrenner sind die Texte zum Thema Beifang in der Fischerei und zur weiter ungelösten Frage der Atom-Endlagerung. Ganz neu gibt es ein Motiv zum Thema Gen-Patente auf Saatgut. Gerade im Moment ein aktuelles und sehr wichtiges Thema. Viel beschäftige ich mich auch mit dem Thema Plastik und den Problemen die es verursacht. Das ist sehr komplex und spannend, dazu soll es bald ein neues Text-Motiv geben. Außerdem freue ich mich natürlich immer über Anregungen!

Hat es schon mal eine Situation gegeben, in der Ihre Modenachrichten Einfluss hatten?

Eine Frau hat mir auf dem Frankfurter Heldenmarkt erzählt, dass in der Bahn neben ihr ein Mann mit dem T-Shirt zum Thema Beifang stand. Sie habe das Motiv gelesen und meinte, dass sie doch sehr nachdenklich beim Abendessen war, es gab Fisch. Ob das langfristig ihr Handeln beeinflusst hat, weiß ich nicht. Aber es geht mir darum über wichtige Fakten aufzuklären und diese Dinge Leuten bewusst zu machen.

Welche Herausforderungen hat Lena Schokolade bereits gemeistert?

Anzufangen und sich auf dem Modemarkt für faire und Bio-Mode zurechtzufinden, war wahrscheinlich die größte Herausforderung. Inzwischen habe ich vertrauenswürdige Lieferanten und großartige Produzenten gefunden und bin sehr glücklich.

Wer ist Ihrer Meinung nach für eine nachhaltige Entwicklung verstärkt am Zug:
die Unternehmen & VerbraucherInnen oder die Politik? Und warum?

Wir Verbraucher können durch unsere Nachfrage und durch das Weitergeben von Informationen sehr viel beeinflussen, das sieht man gerade im Textil-Bereich. Wenn Unternehmen dann darauf reagieren und beispielsweise bio-faire Produkte mit ins Sortiment nehmen, muss die Politik klare Regeln festlegen und damit den Schutz für Mensch und Umwelt gewährleisten. Nur dann lassen sich green-washing und Verbrauchertäuschungen verhindern. Aber auch Firmen müssen lernen, dass sie eine gesellschaftliche Verantwortung haben und nicht erst reagieren, wenn Ihnen empörte Verbraucher oder der Staat menschenwürdiges Verhalten aufzwingen.

In Ihrem Blog haben Sie geschrieben, dass „wir allen Problemen dieser Welt, ob groß oder klein, mit einem Lächeln begegnen“ sollten „und tun, was wir tun können.“ Welcher Anlass fällt Ihnen ein?

Manchmal höre ich zu meiner „Nachrichten auf Mode“-Kollektion, es sei unpassend, dass ein Model auf einem Bild lacht oder herumalbert, obwohl es in dem Satz auf dem Shirt um Unterernährung geht, an der viele Menschen sterben. Das sehe ich anders, denn es nützt keinem Menschen auf der Welt etwas, wenn mein Model traurig schaut. Im Gegenteil, jeder kann etwas tun und mit einem Lachen fällt das viel leichter.
Oft höre ich auch von Freunden, dass, wenn sie bei Punkt A etwas verändern würden, sie sich auch unbedingt an B, C, D und so weiter halten müssten, und aus Überforderung machen sie dann gar nichts. Aber ich denke, wir sind alle Menschen und jeder hinterlässt andauernd Spuren. Das ist ganz normal und schön. Und es gibt für jeden viele kleine Dinge auf die derjenige ohne Mühe und Zwang achten kann, etwa beim Einkaufen.

Was begeistert Sie in Ihrer Arbeit am meisten?

Die „Nachrichten auf Mode“-Kollektion liegt mir sehr am Herzen. Ich liebe es, mich in neue Themen einzulesen. Außerdem entwerfe ich die Sachen alle selbst und nähe einen Teil auch noch, das ist eine schöne, abwechslungsreiche Mischung, die mir viel Spaß macht.

Worüber können Sie sich ärgern?

Wenn Unternehmen für ihren Profit Menschen ausbeuten, deren Gesundheit gefährden und die Natur kaputt machen.

Was raten Sie öko-engagierten JungunternehmerInnen?

Dranbleiben und bei Qualität und Fairness keine Abstriche machen, auch wenn es knifflig sein kann, an gute Rohstoffe und vertrauenswürdige Produzenten heranzukommen. Und nicht verzweifeln, wenn es manchmal schwierig ist, etwas zu verändern, weil auch jeder kleine Schritt zählt. Ach ja, und natürlich den Spaß nicht verlieren!

Und was möchten Sie der nächsten Generation fürs 21. Jahrhundert mitgeben?

Denkt nach, hört nie auf, Fragen zu stellen und überlegt genau, was Ihr wirklich braucht. Erfüllung liegt nicht in Masse sondern in Qualität. Wir haben nur eine schöne Erde und wir müssen gut darauf aufpassen.

Wir danken Ihnen für Ihre Antworten!