Eine 100 % müllfreie Veranstaltung? Gar nicht so leicht…

Mööööp – zu viel Müll auf dem Heldenmarkt

Immer mal wieder erreicht uns enttäuschtes Besucherfeedback zum Thema Müllaufkommen auf den Heldenmärkten. Vorweg soll gesagt sein: Wir haben größtes Verständnis dafür, dass Müllproduktion – und dann noch verursacht durch eine nachhaltige Veranstaltung – unseren Besucher*innen negativ aufstößt. Ehrlich gesagt freuen wir uns manchmal sogar über dieses Feedback; wollen wir mit unseren Veranstaltungen das Bewusstsein doch genau in diese Richtung schärfen!

 

Unsere Entscheidungen sollen transparenter sein

Das Thema Müllaufkommen beschäftigt uns in regelmäßigen Abständen und nicht selten kommt es zu ausgiebigen Diskussionsrunden im Team. Wir möchten nun endlich die Möglichkeit nutzen, etwas mehr Transparenz in unsere Überlegungen zu bringen und Grenzen aufzeigen, an denen es derweil scheitert. Vielleicht schaffen wir es auch, mit dieser Erklärung den einen oder anderen Aussteller einen kleinen Schritt in die Mehrweg-Richtung zu stupsen.

 

Die Mehrweg-Problematik

Der Heldenmarkt ist eine Messe mit relativ großen Dimensionen. Je nach Veranstaltungsort besuchen uns bis zu 12.000 Menschen am Wochenende, um sich über die neusten Trends aus der Nachhaltigkeits-Szene zu informieren und neue Produkte und Dienstleistungen kennenzulernen. Unter den Ausstellern tummeln sich viele Hersteller aus dem Lebensmittelbereich. Kuchen, Eis, Brotaufstriche und andere Leckereien, aber auch die neusten nachhaltigen Limos oder Kaffeespezialitäten sind bei uns zu finden. Selbstverständlich möchten Aussteller ihre Produkte verkosten und, na klar, lassen sich die Besucher*innen die Möglichkeit nicht nehmen, diese im Vorfeld zu probieren. Wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Es müssen also Probierbecher bzw. -tellerchen her. Glaubt uns: In der Natur des Heldenmarkt-Teams liegt der Wunsch, auf alles zu verzichten, was eine Lebensdauer hat, die vergleichbar mit der eines to-go-Bechers ist.

 

Beispiele und gefloppte Versuche aus der Heldenmarkt-Praxis

Wer schon einmal einen Heldenmarkt besucht hat, wird wissen, worüber wir jetzt schreiben: Wir wählen unsere Hallen nicht nach dem günstigsten Mietpreis oder der besten Verkehrsanbindung aus. Das Wichtigste ist für uns, dass die Halle Charme und Atmosphäre und ganz, ganz wichtig Tageslicht hat. Die gemieteten Hallen verfügen leider im seltensten Fall über eine Spülküche. Da gibt es dann einen Wasserhahn für sagen wir mal 20-30 Aussteller, die ihre Probierbecher und -teller spülen müssen…

Hmm, egal, wird schon gehen dachten wir uns – wir entwickeln einfach ein Spül-Schicht-System. Pustekuchen! Das Schicht-System konnte nicht garantieren, dass alle Aussteller genügend Teller und Becher für ihre Verkostungen zur Verfügung hatten, da sie zu selten spülen konnten. Sie konnten im seltensten Fall den reservierten Slot einhalten, da ihr Stand genau in diesem Moment von einer Traube probierwütiger Gäste umlagert wurde. Also wichen die Aussteller auf die WCs aus, blockierten die Wasserhähne und verstopften die Abflüsse mit Speiseresten. Der Hallenboden (dieses Beispiel stammt aus dem Cruise Center Hamburg) war überflutet und musste anschließend sogar herausgerissen und erneuert werden. Keine praktikable Lösung – wir bleiben auf einem Haufen Kosten sitzen.

Der nächste Versuch bestand darin, eine mobile Spülstation inklusive Spülpersonal anzumieten. Diese Kosten sollten von uns als Unternehmen zu 50 % subventioniert werden. Die anderen 50 % sollten durch die Aussteller getragen werden. Wie ihr wisst, haben wir immer eine große Anzahl junger Unternehmen dabei, für die jeder Euro Mehraufwand eine weitere Barriere bedeutet, an Messen, wie dem Heldenmarkt teilzunehmen und sich am Markt zu positionieren. Wir haben ein Start-up Standpaket, weil wir junge innovative Unternehmen unterstützen wollen. Wir können den Ausstellern einfach keine weiteren Kosten auferlegen; sie sind schlichtweg nicht in der Lage, dafür aufzukommen.

Man könnte weiter vorschlagen, dass die Aussteller doch einfach mehr wiederverwendbares Geschirr zur Messe mitbringen sollen, aber auch das – gleiches Spiel – ist mit horrenden Mietkosten verbunden. Ihr merkt, es ist gar nicht so einfach.

 

Ein vertretbarer Kompromiss muss her

All unsere Versuche haben sich traurigerweise als nicht praxistauglich erwiesen. Aus diesem Grund haben wir uns als Team auf einen Kompromiss geeinigt und diesen in unseren AGBs verankert: Alle Gefäße, die für die Verkostung und den Verkauf von Speisen und Getränken verwendet werden, müssen zwingend 100 % biologisch abbaubar sein. Aussteller, die die korrekte Rückführung der Gefäße nicht durch die eigene Entsorgung an ihrem Stand gewährleisten können, müssen ein Pfand erheben. Das stößt nicht selten auf Unverständnis unserer Besucher*innen. Aber nur so sind wir sichergestellt, dass der Becher nicht versehentlich durch Unachtsamkeit in den Restmüll wandert und schlussendlich unsortiert verbrannt wird. Ihr könnt euch sicher sein: Wir laufen mit Adleraugen über die Messe und kontrollieren alle verwendeten Gefäße. Das ist, was wir zu 100 % leisten können.

 

Bloß nicht die Hoffnung verlieren

Neben all den Problemen haben wir aber auch gute Erfahrungen in der Heldenmarkt-Laufbahn verzeichnen können. Für den Berliner Heldenmarkt 2016 konnten wir einen starken Partner gewinnen. Der Mehrwegbecher-Experte Boodha – Just swap it stattete alle Getränkeanbieter mit seinen umweltfreundlich hergestellten Mehrwegbechern aus und übernahm sogar den Spülservice. Wir wünschen uns für all unsere Standorte derartige Partner zu gewinnen und dem Müllaufkommen so entgegenzuwirken, denn wir wissen: biologisch abbaubar hin oder her – der anfallende Müll ließe sich theoretisch vermeiden.