„Nachhaltig leben heißt, gut, gesund, partnerschaftlich und tolerant zu leben, den Dingen ihren Wert gewähren, bewusst genießen, auch genussvoll konsumieren. Das heißt auch, auf Qualität zu achten, nicht jeder Mode nachzulaufen, aber auch nicht jede zu verachten – das gehört zur Lebensqualität.“1
Das Produkt selbst – Material, Herstellung
Am Beginn der Nachhaltigkeitsbilanz eines Produktes steht die Auswahl der Materialien und deren Herstellung. Grundsätzlich haben Produkte, egal ob es sich um Lebensmittel, Bekleidung oder Kosmetik handelt, die mit einem Bio-Siegel gekennzeichnet sind eine deutlich bessere Bilanz als konventionelle Produkte und sind daher immer zu bevorzugen. Nur wo Bio, biologisch oder ökologisch drauf steht ist auch wirklich Bio drin. Lassen Sie sich nicht in die Irre führen von Begriffen wie natürlich, naturnah, kontrollierter Anbau, … Genauere Informationen bietet beispielsweise das Greenpeace-Einkaufsnetz.
Gleichzeitig gilt es zu fragen, unter welchen Arbeits- und Produktionsbedingungen das Ausgangsmaterial und das Endprodukt entstanden ist. Für uns alltägliche Sicherheitsstandards und Arbeitnehmerrechte sind in vielen Teilen der Welt nicht die Regel. Bekannte Siegel, wie das Transfair Siegel sichern die Einhaltung der Fair Trade Standards.
Der Transport
Bleibt noch die Frage des Transports. Die Rosen aus Kenia kommen mit dem Flugzeug, die Tomaten aus Südspanien mit dem LKW und das Plastikspielzeug und unsere Kleidung kommen mit riesigen Containerschiffen aus China. Besonders absurd ist beispielsweise die amerikanische Praxis, die in den USA angebaute und stark subventionierte Baumwolle zur Verarbeitung nach China zu verschiffen, um dann die fertig genähten T-Shirts wieder zurück zu fahren. Der Transport über so lange Strecken belastet die Nachhaltigkeitsbilanz eines Produktes erheblich. Da aber selbst die Produktion unter Fair Trade Standards außerhalb Europas viel preiswerter ist, wird sich an dieser Praxis wenig ändern. Dennoch sollten Sie, wenn Sie die Wahl haben immer regionale Produkte bevorzugen. Einige der Bedürfnisse unserer modernen Konsumgesellschaft lassen sich nicht regional befriedigen. Kleidung aus Baumwolle mit weiten Transportwegen ist Standard. Inzwischen bemühen sich jedoch einige Hersteller, traditionelle Materialien einzusetzen und den Anbau von Hanf oder Lein in Europa wiederzubeleben.
Der Gebrauch
Hervorzuheben ist hier besonders das Qualitätsmerkmal Langlebigkeit. Ständig verfügbare Billigware, der Reiz des ständig Neuen und der Fluch der Mode ist zum festen Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. Abgesehen davon, basiert ja unser gesellschaftlicher Wohlstand gerade auf unserer Ex und Hopp Lebensweise, denn ohne fortwährend wachsenden Konsum neuer Waren gäbe es kein ständiges Wirtschaftswachstum. Hier sind neue Wege in der Wirtschaftspolitik gefragt. Aber auch als Verbraucher kann und muss man sich bei jedem Kauf fragen: „Brauche ich das wirklich?“
Die Entsorgung
Was aber passiert mit all den Dingen, die wir nicht mehr haben möchten? Teilweise noch gebrauchsfähige Dinge wandern schnell in die Tonne. Reparieren, verschenken oder verkaufen macht zu viel Arbeit und der Erlös aus dem Verkauf rechtfertigt oft nicht den Aufwand.
Aber auch für seine Abfälle trägt jeder die Verantwortung. Müllvermeidung sollte deshalb an erster Stelle stehen. Denken Sie am besten schon beim Einkauf an die Frage der Entsorgung. Ist das gekaufte Produkt recyclingfähig? Oder ist es sogar schon ein Produkt des Upcyclings, also quasi aus Müll hergestellt?
Quelle:
1 Lorek, Sylvia und Spangenberg, Joachim H., Sozio-ökonomische Aspekte nachhaltigkeitsorientierten Konsumwandels. Aus Politik und Zeitgeschichte (B24/2001).




















